Valentin - mein kleiner Prinz
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19. Brief an Valentin
19. Brief an Valentin

Mein geliebter Sohn,

vor zwei Tagen war es soweit: Du hast die letzte Etappe Deiner Reise zu den Sternen hinter Dich gebracht und endlich Deine letzte Ruhe gefunden.

Mama hat die Nächte davor nicht besonders gut geschlafen, immer wieder hab' ich versucht mir vorzustellen, wie dieser Tag wohl sein wird.

Dein Patenonkel und Mama waren pünktlich am Nordfriedhof in Düsseldorf und wir haben uns etwas darüber gewundert, dass noch niemand da war. Immerhin sollte 10 Minuten später die Trauerfeier beginnen. Dann habe ich aber Frau Hotz-Wegner gesehen und war - warum auch immer - ein Stück weit beruhigt. Es hat mir ein gutes Gefühl gegeben zu wissen, dass sie da ist. Nach und nach kamen auch noch andere Eltern und gingen in die mittlerweile geöffnete Kapelle.
Kevin und ich sind dann ebenfalls rein und ich war wirklich positiv überrascht, wie nett alles gestaltet war.

An der Fensterfront der Kapelle war mittig der Sarg aufgebaut. Umrahmt von ganz vielen Kerzen in verschiedenen Größen. Die Farbe des Sarges war dunkelblau und darauf war ein kunterbuntes, großes Sarggesteck, in dem sogar Schmetterlinge eingearbeitet waren.
Nachdem Kevin und ich uns einen Platz gesucht hatten, ging es auch schon bald los.
Die Trauerfeier wurde ökumenisch gehalten, so dass also ein evangelischer Pfarrer und ein katholischer Prieser anwesend waren.
Beim Einzug der Beiden gab es Orgelmusik und frag' mich nicht warum, aber da liefen bei mir dann dicke Tränen. Die beiden haben dann abwechselnd was erzählt und vorgelesen, u.a. Auszüge aus dem kleinen Prinzen und es wurde symbolisch eine weiße Rose auf den Sarg gelegt.
Während der gesamten Zeremonie liefen mir unentwegt die Tränen. Ich habe die ganze Zeit überlegt, an welchem Platz im Sarg Du wohl liegst. Ob Deine Kiste bei Dir ist, Dich die Decke auch warm genug hält, Dein Schnuller nicht vergessen wurde und wie Du wohl aussiehst.

Nach ca. 30 Minuten gab es dann wieder Orgelmusik zum Auszug aus der Kapelle. Das heißt erstmal wurde der Sarg auf so ein kleines Auto gepackt, danach folgten die Geistlichen und dann wir anderen. Dein Stein ist mit auf den Wagen gelegt worden. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Trauerfeier sehr würdevoll und schön gestaltet worden ist. Das einzige, was gestört hat war das Handy von einer "Dame" mit Migrationshintergrund, die es - aus welchen Gründen auch immer - nicht geschafft hat, es auf lautlos zu stellen, so dass es mitten in der Predigt zweimal losgedudelt hat.

Nach ungefähr 10-12 Minuten Fußweg kamen wir dann am Gräberfeld an. Ich habe es da ja zum ersten Mal gesehen und muss sagen, dass es wirklich sehr schön gestaltet ist.

Du musst Dir das in etwa so vorstellen: in einer rechteckigen Fläche sind Bäume angeordnet und nur vorne fehlen zwei oder drei. Also wie eine Tür, durch die man dann in eine andere Welt geht. Dort ist dann etwa in der Mitte die Skulptur sowie die Kiesbetten für die Steine, die man niederlegen kann. Rechts und links davon sieht man dann viele Einzelgräber, die kunterbunt ausgesehen haben. Viele Angehörige haben Windräder oder sonstige Deko draufgesteckt und Blumen niedergelegt. Wenn es nicht so traurig wäre könnte man glatt sagen, dass es richtig schön ausgesehen hat.
Bei einem meiner nächsten Besuche werde ich mal Fotos machen und sie Dir dann zeigen. Ich habe Frau Müller gefragt ob das erlaubt ist und sie hat es bejaht.

Du hast mit Deinen "Mitbewohnern" in der zweiten Reihe ganz außen den Platz bekommen. Find' ich sehr gut, ist es nämlich ein halbschattiges Plätzchen, was bedeutet, Du liegst nicht in der prallen Sonne. Das ist nämlich gar nicht gut.

Die Geistlichen haben dann noch einen Segen gesprochen und gemeinsam mit allen Anwesenden das Vaterunser gebetet. Im Anschluß daran durfte man dann an das Grab treten, noch etwas hineinwerfen, Erde reinschaufeln und sich zum letzten Mal verabschieden.
Dein Patenonkel und ich sind gemeinsam ans Grab gegangen, haben unsere roten Rosen reingeworfen und Kevin hat auch noch etwas Erde hinterher geschmissen. Ich kann Dir nicht mal genau sagen warum, aber irgendwie fühlte ich mich in dem Moment erleichtert. Es hatte zwar sowas endgültiges und mir war in der Sekunde auch nochmal mehr als klar, dass ich Dich nie wiedersehen werde, aber trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl...Deinetwegen.
Im Nachhinein ist mir dann zwar noch ganz viel eingefallen, was ich Dir hätte sagen wollen, aber das hole ich dann nach, wenn ich Dich besuchen komme. Es wäre auch nicht für die Ohren anderer Leute bestimmt gewesen.

Frau Müller von der ökumenischen Hospizgruppe hat uns dann gesagt, dass wir jetzt auch den Stein niederlegen dürfen. Und zwar wo wir wollen.
Also haben wir uns umgeschaut und nach einigen Minuten hatten wir den perfekten Platz. Direkt neben den beiden Kiesbetten ist ein kleinerer Kreis und da war noch etwas frei, wo Dein Stein perfekt hinpasst. Außerdem ist er dort der einzig bunte, so dass er gleich auffällt
Kevin hat ihn dann dort hingelegt, wir haben nochmal kurz innegehalten und sind dann gegangen.
Ich habe mich dann noch von Frau Hotz-Wegner verabschiedet, die Beileidsbekundungen des Pfarrers entgegen genommen und das reichte mir dann auch. Die Einladung, im Anschluß noch an der gemeinsamen "Kaffeerunde" teilzunehmen habe ich abgelehnt. Ich bin lieber mit Kevin und Laura noch was trinken gegangen. Mir war nicht danach mit den anderen Trauernden in geselliger Runde zusammen zu hocken und mir deren Geschichten anzuhören. Am Ende empfindet jeder seinen Schmerz ja doch als den schlimmsten.

Alles in allem war es dem Anlaß entsprechend wirklich nett gestaltet und ich bin froh darüber, dass es die Möglichkeit gibt, sein Kind auf diesem Weg würdevoll aus der Welt zu verabschieden.

Heute kann ich sagen, dass ich es besser gefunden hätte, wenn Deine Beisetzung früher gewesen wäre. Ich habe mich ja bereits mitten in der Trauerbewältigung befunden bzw. befinde mich noch immer darin und durch den Donnerstag ist so vieles wieder hochgekommen und hat mich um einiges zurück geworfen. Irgendwie hatte ich ja schon ein Stück Normalität wieder gefunden und nun steh' ich wieder am Anfang.
Andere Mütter, die dort gewesen sind, denken vielleicht das es gut ist, wenn Zeit zwischen Geburt und Beerdigung liegt. Ich persönlich sehe das anders. Aber nun war es nunmal anders und auch damit werde ich irgendwie zurecht kommen (müssen).

Kevin hat mir im Nachgang noch gesagt, dass er mich sehr tapfer fand und ich das toll gemeistert habe.
Das ist sicherlich auch so, aber aus einem einzigen Grund: ich weiß, dass dies nicht der schlimmste Tag war. Den habe ich noch vor mir.
Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass der errechnete Entbindungstag (5. Juli) für mich viel schlimmer wird. Ich kann nicht mal mit Bestimmtheit sagen warum ich das glaube. Es ist einfach so ein Gefühl. Vielleicht weil es dann wirklich "zu Ende" ist. Nichts mehr vor mir liegt, was ich zu bewältigen habe und ich mich dann wirklich mit meiner Trauer beschäftigen und diese verarbeiten kann.
Der Gedanke an den 5. Juli macht mir mehr Sorge, als es die im Hinblick auf den 10. Juni getan haben.
Aber auch hier bleibt mir wohl nur abzuwarten. Ich muss es auf mich zukommen lassen. Aus dem Weg gehen kann ich dem ja nunmal nicht, und das will ich auch gar nicht.

Lieber Valentin, ich freue mich so sehr für Dich, dass jetzt Dein "Leben" im Sternenkinder-Land beginnt und Du nicht mehr von A nach B transportiert wirst, sondern "angekommen" bist.

Meinen heutigen Brief an Dich beende ich mit einem Auszug aus dem Kleinen Prinzen. Genau diesen Text haben sich die Kollegen auch als Widmung für Deinen Stern überlegt und ich finde es passt hervorragend:

Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache!
(Antoin de Saint Exupéry)

In tiefer Liebe,
Deine Mama
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  Update am 21.08.2015 in Briefe an Valentin / 73. Brief an Valentin  
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