Valentin - mein kleiner Prinz
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(c) KeHe 2010
22. Brief an Valentin
04. Juli 2010
22. Brief an Valentin

Mein geliebter Sohn,

Deine Mama hat die letzte Woche vor dem Urlaub hinter sich gebracht. Auch wenn der Chef sich derzeit ebenfalls dem Nichtstun hingibt, so hatte ich doch noch einiges zu erledigen, bevor ich mich jetzt eine Woche erholen kann.

Ich hatte Dir ja von dem etwas merkwürdigen Telefonat in der letzten Woche erzählt und genau das war dann auch während meines Besuchs bei Frau Hotz-Wegner am Mittwoch Thema.

Nachdem ich ihr alles berichtet habe und mir das ein oder andere Mal Tränen gekommen sind, hat sie mich aber in meinem Handeln bestärkt und mir auch mehrfach zu verstehen gegeben, dass das, was ich gesagt habe (und was bei meinem Gegenüber so sehr negativ angekommen ist) völlig in Ordnung und normal ist.
Sie hat mich gefragt, was ich mir denn jetzt wünschen würde. Also was ich z.B. von meinem Gesprächspartner erwarte. Ich musste einen Moment drüber nachdenken doch dann war es mir klar. Mir wäre es wichtig eine Entschuldigung zu erhalten. Nicht darüber was gesagt wurde, da kann ja jeder seine Meinung haben, sondern darüber, wie es gesagt wurde.

Frau Hotz-Wegner meinte dann auch noch, dass man mir zwar raten könnte, einen Sinn im Leben zu finden, aber erstens ist der Sinn eines anderen nicht zwingend meiner, zweitens muss es nicht nur einen Sinn geben und drittens habe ich den vielleicht schon längst gefunden, er ist aber für andere nicht erkennbar.

Wir haben dann noch ein wenig drüber diskutiert, was denn "mein Sinn" sein könnte und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ich durchaus Sinn darin sehe weiter zu leben, obwohl mein geliebtes Kind, nämlich Du, nicht bei mir bist. Alleine, dass ich diese Homepage kreiert habe und andere durch Dein und mein Schicksal Mut finden, Zuversicht und Kraft, macht absolut Sinn! Ich habe Dir ja schon desöfteren mitgeteilt, dass es so schrecklich viele Menschen gibt, die dasselbe oder ähnliches durchmachen (müssen) und keinen Halt finden oder nicht wissen, mit wem sie sich darüber austauschen können. Einige dieser Menschen haben Kontakt zu mir aufgenommen und wir sprechen über uns, unser Schicksal, unsere Sternenkinder und unser verändertes, anderes Leben. Das hilft!

Ich habe sie dann gefragt, ob sie der Meinung ist, dass ich eine starke Persönlichkeit sei. Denn ein Thema in dem Telefonat war ja, dass mein Gegenüber mich überhaupt nicht für stark hält und auch noch nie gehalten hat.

Frau Hotz-Wegner konnte diesen Eindruck überhaupt nicht bestätigen. Im Gegenteil! Sie findet, dass Deine Mama sehr stark ist und sehr stolz auf sich sein kann. Zu erfahren, dass man über Grenzen hinausgehen kann, zu erkennen, dass man daran nicht zerbrechen wird und bei all' dem nicht den Lebensmut zu verlieren sei' eine große Leistung, die viel Stärke benötigt.
Ich bin von natur aus überhaupt nicht gehässig, aber in dem Moment hab' ich mir wirklich gewünscht, dass mein Gesprächspartner mal in eine Situation kommt, die von ihm ähnliches abverlangt, wie das Leben es von mir in den letzten Monaten getan hat. Vielleicht wird mein Denken und Handeln dann besser nachvollziehbar oder verständlicher.

Wie immer ging es mir nach dem Gespräch deutlich besser. Ich bin so froh, dass es solche Einrichtungen wie donum vitae und Menschen wie Frau Hotz-Wegner gibt, die einem helfen, den noch verschwommenen Weg Stück für Stück wieder klarer zu sehen.

Donnerstag und Freitag habe ich mich dann in meiner hessischen "Lieblingsstadt" aufgehalten und die letzten Tätigkeiten vor dem Urlaub erledigt, in den ich dann am frühen Nachmittag gestartet bin.

Gestern bin ich dann mit Janina Richtung Düsseldorf kutschiert und wir sind zum Friseur gegangen. Bei mir ging es diesmal richtig flott und nach knapp 40 Minuten war ich fertig. Habe mir eine Kurzhaarfrisur verpassen lassen. Ich hab' mir gedacht, wo jetzt ein neues bzw. anderes Leben beginnt, kann ich auch eine optische Veränderung herbeiführen.
Bei Janina hat es dann deutlich länger gedauert und nach knapp 3,5 Stunden konnten wir den Laden verlassen.

Wir haben uns dann ziemlich beeilt, um noch den Zug Richtung Heimat zu erwischen. Immerhin sollte um 16 Uhr die deutsche Elf im Viertelfinale gegen Argentinien spielen und das wollten wir unbedingt sehen.
Was soll ich Dir sagen: die Bahn hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und die erste Halbzeit haben wir im Zug verbracht. Naja, immerhin waren wir pünktlich genug, um mitzubekommen, wie die "Gauchos" untergegangen sind und dem Großmaul Diego selbiges gestopft wurde
Jetzt sind die Jungs also im Halbfinale und müssen gegen Spanien ran.

Im Laufe dieser Woche sind auch die Teddylichter für Dich angekommen. So lange keine richtige Grableuchte gefunden ist, werde ich Dir die erstmal bringen. Die Lichter sehen wirklich niedlich aus und ich hoffe, es gefällt Dir, wenn so ein Lichtlein bei Dir brennt.
Aber schau' doch selbst einmal und bilde Dir ein Urteil:




Sieht niedlich aus, oder?

Folgender Hinweis lag dem Paket noch bei, den ich Dir natürlich auch nicht vorenthalten möchte.


 


Richtig toll, dass es solche Kerzen gibt. Denn die meisten Lichter, die ich bis jetzt gefunden habe, passen meines Erachtens nach überhaupt nicht auf ein Kindergrab. Der Teddy schon!

Ich werde Dir morgen den ersten Teddy vorbeibringen. Denn morgen ist unser Tag. Der Tag, an dem Du hättest geboren werden sollen. Der 05. Juli 2010!

Es macht mich nach wie vor unendlich traurig, wenn ich daran denke, dass ich Dich morgen nicht auf die Welt bringe. Dich nicht in den Armen halten und voller Stolz betrachten werde. Nicht mit Dir nach Hause gehe, Dich nicht der Familie, Freunden und Kollegen "präsentieren" werde und wir kein gemeinsames Leben haben.
Natürlich ist mir bewußt, dass das meine Entscheidung war und ich halte sie auch immer noch für richtig, aber trotzdem bin ich traurig. Darüber, dass uns diese Diagnose nicht erspart geblieben ist, dass sie dieses Ausmaß hatte und mich zu einer Entscheidung gezwungen hat.
Vermutlich ist es müßig darüber nachzudenken was gewesen wäre wenn...aber ich ertappe mich dabei, dass ich es doch das ein oder andere Mal tue. Mag vielleicht daran liegen, dass ich jetzt, nachdem so ziemlich alle schlimmen Tage hinter mir liegen, erst langsam anfange zu realisieren, was in all' der Zeit passiert ist, dass es mir bzw. uns passiert ist. Es ist für mich nach wie vor unverständlich, unrealistisch, schrecklich gemein und traurig.
Ich schätze, dass ich dieses Gefühl noch öfter haben werde. Denn meine eigentliche Trauerarbeit kann erst jetzt richtig beginnen. Der morgige Tag trägt dafür Sorge, dass es für mich realistisch wird. Und dann erst kann ich das, was mir noch immer unbegreiflich scheint, auf- und verarbeiten.

Lieber Valentin ich sage es nochmal: Deine Mama fühlt diesen Schmerz täglich und ich trauere um Dich, meinen geliebten Sohn. Und ich werde diese Trauer und alle damit verbundenen Gefühle zulassen und mich dem stellen, so lange es dauert. Und was andere darüber denken, sagen oder davon halten ist mir ehrlich gesagt an dieser Stelle völlig egal. Verstehen tut mich sowieso so gut wie niemand, geschweige denn, dass es irgend jemand nachvollziehen kann, was in mir vorgeht!

In tiefer Liebe,
Deine Mama
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  Update am 21.08.2015 in Briefe an Valentin / 73. Brief an Valentin  
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