Valentin - mein kleiner Prinz
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49. Brief an Valentin
06. Februar 2011

49. Brief an
Valentin

Mein geliebter Sohn,

wie Du sicherlich gemerkt hast, sind mittlerweile zwei Wochen vergangen, seit ich Dir das letzte Mal geschrieben habe. Das liegt weniger daran, dass ich es nicht möchte oder Dich gar vergessen hätte, sondern vielmehr daran, dass es einfach nichts zu berichten gab. Und ich finde nichts schlimmer, als nur um des Schreibens willen einen Brief aufzusetzen, der dann sinnfrei ist.

Mittlerweile ist Janina mit Lilly zuhause angekommen. Der Krankenhausaufenthalt hat sich ein wenig hingezogen, weil Lilly einfach nicht so recht zunehmen wollte. Jetzt scheint es aber vorwärts zu gehen. Ich persönlich denke ja, dass die Ruhe zuhause und die gute Pflege von Janina dazu beitragen werden, dass sie zügig an Gewicht zulegt.
Deine Mama hat die beiden noch nicht besucht. Ich hatte Dir ja berichtet, dass die Vorstellung ins Krankenhaus zu gehen absolute Panik in mir auslöst. Jetzt sind sie erst seit wenigen Tagen zuhause und ich finde, dass sie sich erstmal an das Alltagsleben gewöhnen müssen, bevor die Bude eingerannt wird.
Aber ich weiß schon, wie der Familienzuwachs aussieht, denn Janina hat Bilder online gestellt
Ich werde sie demnächst mal fragen, ob sie mir eins schickt, dann kannst Du Lilly auch mal ansehen.
Irgendwie ist es ein komisches Gefühl wenn ich an Janina und Lilly denke und es stellt sich auch keine rechte Neugier ein. Aber ich freue mich für die Zwei, dass es ihnen gut geht und der - etwas holprige - Start ins Leben nun vergessen scheint und alles "normal" läuft.
Wenn ich sie besucht habe, werde ich Dir natürlich berichten, wie es mir ergangen ist und wie es innerlich ausgesehen hat.
Frau Hotz-Wegner meint ja, dass ich das Ganze auch als Chance für mich sehen kann. Sich quasi langsam rantasten, wie es ist auf ein Baby zu treffen, das nicht Du bist. Das soll nicht bedeuten, dass Lilly als "Übungsobjekt" für mich herhalten soll. Es ist vielmehr so, dass Janina ja - erfreulicherweise - enorm viel Verständnis für Deine Mama aufbringt und es mir somit wohl auch nicht übel nehmen wird, wenn's mal ein kürzerer Besuch wird, oder ich ggfs. in Tränen ausbreche. Ihr gegenüber fällt es mir deutlich leichter zu sein wie ich bin, als wenn ich bei anderen Menschen - die mir nicht so nahe stehen - vor diese Situation gestellt werde.
Naja, wir werden sehen, wie sich alles entwickelt.

Mit Frau Hotz-Wegner habe ich auch über die angespannte Familiensituation gesprochen und wie ich wohl damit umgehen könnte. Sie hat mir einen Weg gezeigt und ich denke derzeit noch darüber nach, ob ich ihn so gehen werde. Es spricht vieles dafür, aber auch zwei, drei Punkte dagegen. Im großen und ganzen ist es aber die einzige Möglichkeit für alle Beteiligten, um ein einigermaßen vernünftiges Zusammenleben herzustellen. Auch hierüber werde ich Dich auf dem Laufenden halten.

Mittlerweile haben wir auch schon Februar und das bedeutet, dass es nicht mehr lange hin ist, bis sich unser "Schicksalstag" zum ersten Mal jährt. Fühlt sich komisch an, wenn ich daran denke. Sehr viele Bilder erscheinen vor meinem inneren Auge und es kommt mir immer noch so vor, als sei es gestern gewesen. Ich kann quasi noch spüren, was es in mir ausgelöst hat, als ich die Diagnose erfahren habe. Wie ich die Fruchtwasserpunktion hab' über mich ergehen lassen. Wie ich von praenatal zu Dr. Lübbers gegangen bin und wie ich mich abends in einen sehr unruhigen Schlaf geweint habe. Ich erinnere mich gut, dass die Tage danach der blanke Horror waren. Ich zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt nicht wusste was ich tun soll und mir auch niemand helfen konnte.
Das ist in einigen Teilen bis heute so geblieben. Viele Menschen sind für mich da. Aber mir helfen mit meiner Trauer leben zu lernen oder mir Schmerz abnehmen, dass kann niemand!

Es gibt noch immer viele Tage an denen ich glaube einfach nur zu funktionieren. Ich gehe zur Arbeit, erledige meinen Job, komme nach Hause und kümmere mich um die Wohnung, bevor ich mich dann irgendwann schlafen gehe. Wie ein Uhrwerk, was einfach präzise läuft. Doch eigentlich ist es oft so, dass ich mir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen oder schreiend durch die Gegend rennen würde. Den Schmerz einfach wegbrüllen. Die Wut, Verzweiflung, Enttäuschung und die Trauer einfach mal rauslassen und zwar so, dass ich mich - wenigstens für einen Moment - wie befreit fühlen kann.
Selbstverständlich gibt es mittlerweile auch Tage, an denen ich mich gut fühle und ich glaube Bäume ausreißen zu können - aber das hält leider nie so wirklich an.
Doch ich merke sehr häufig, dass ich in mich gekehrt bin, meinen Gedanken nachhänge und mich traurig fühle.
Mach' Dir keine Sorgen, das sind keine Depressionen. Sowohl Dr. Lübbers als auch Frau Hotz-Wegner haben mir das bestätigt. Das gehört einfach zum normalen Trauerprozeß dazu. Depressionen wären es wohl erst, wenn ich wirklich nicht mehr aufstehe, mein Leben überhaupt nicht mehr im Griff habe und mich völlig abschotte. Aber das tue ich ja nicht. Es sind halt nur diese Phasen, die mich zum Nachdenken bringen, wenn wieder ein besonderer Tag bzw. ein spezielles Datum vor mir liegen. Das war an Weihnachten so und wird am Diagnose-Tag oder dem Tag Deiner Entbindung nicht anders sein. Es wiederholt sich zum ersten Mal und ich denke wirklich, dass es beim ersten Mal am schwierigsten sein wird.
Ich habe ja auch nicht nur furchtbare oder traurige Gedanken an diese Zeit. So verrückt wie es klingt, aber es gibt auch durchaus Positives. Für uns beide!
So ist z.B. erwähnenswert, dass ich gelernt habe, dass Verantwortung zu übernehmen nicht immer leicht ist, aber man es trotzdem tut. Das ich Entscheidungen mehr als einmal überdenke, bevor ich sie letztlich treffe. Das ich mich selbst sehr häufig hinterfragt und dadurch Veränderungen hervorgerufen habe.
Das ich einen wundervollen Sohn habe, der mir in der kurzen Zeit, die er bei mir war, soviel gegeben und die Augen geöffnet hat. Ohne Dich wären viele Dinge in Mama's Leben vermutlich nie eingetreten.
Es ist positiv, dass ich erkannt habe, dass ich nicht aus purem Egoismus bestehe, sondern sehr wohl im Sinne von anderen - in dem Fall in Deinem - handeln kann. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Du das Leben, das Dich erwartet hat nicht gewollt hättest.
Jetzt werden sich wieder die "Kritiker" zu Wort melden und mir vorwerfen, dass ich feige bin, eine Entscheidung getroffen habe, von der sie glauben, dass ich sei aus reinem Eigennutz gefällt habe. An dieser Stelle möchte ich erneut wiederholen: Niemand, der nicht selbst in einer solchen Situation gewesen ist, hat das Recht über mich zu urteilen oder mir gar vorzuwerfen, ich würde mein Kind nicht lieben.
Und ich zitiere erneut sowohl Frau Hotz-Wegner als auch eine gute Bekannte: Es ist die richtige Entscheidung gewesen, weil ich sie getroffen habe!
Genau so sehe ich das auch.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr es mir doch hilft, wenn ich einen Brief an Dich schreibe oder Dich auf dem Friedhof besuche. Das Schreiben erleichtert und die Besuche geben mir das Gefühl von Nähe zu Dir. Schon erstaunlich, wie der Mensch manchmal tickt.

Mein lieber kleiner Schatz, Deine Mama wird auch die nächsten Wochen überstehen, weil ich weiß, dass Du bzw. meine Gedanken an die Zeit, die wir miteinander hatten mir dabei helfen wird.

Die Erinnerung ist ein Fenster
durch das ich Dich sehen kann,
wann immer ich will.
Autor: unbekannt

 
In tiefer Liebe,
Deine Mama

P.S. Morgen hat Deine Patentante Geburtstag, vielleicht kannst Du ihr ein paar Sonnenstrahlen schicken, dann freut sie sich
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  Update am 21.08.2015 in Briefe an Valentin / 73. Brief an Valentin  
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