Wie gefallen
Dir die Engel und der Stern? Ich hoffe
Du magst die Dinge genau so sehr wie ich auch.
Anfang Dezember (also um genau zu sein am zweiten Sonntag) war auch wieder weltweiter Sternenkinder-Gedenktag.
Deine Mama ist an diesem Tag vom Jovi-Girlz Treffen aus Köln zurückgekehrt und wollte eigentlich auch bei
Dir vorbeischauen - gemeinsam mit Kristina und danach in die Kirche gehen. Doch nachdem Kristina mir leider krankheitsbedingt absagen musste, habe auch ich tief in mich hineingehört und entschieden weder auf den Friedhof, noch in die Kirche zu gehen. Ich fühlte mich dazu einfach nicht in der Lage. Möglicherweise wäre es mir in Begleitung leichter gefallen und ich hätte es getan, aber ich habe gemerkt, dass ich das alleine nicht schaffe.
Ich kann mir gut vorstellen, dass
Du total enttäuscht warst, als
Du mich nicht in der Kirche entdeckt hast und
Du der einzige von
Deinen Gefährten warst, der keine Kerze an diesem so wichtigen Tag bekommen hat. Mit diesem Gefühl warst
Du nicht alleine mein kleiner Schatz!
Deine Mama war von sich genauso enttäuscht, wenn nicht noch mehr. Ich habe mir an diesem Abend desöfteren die Frage gestellt, warum ich nicht gegangen bin. Warum ich nicht in der Lage war, am Gottesdienst teilzunehmen. Warum ich in diesem Moment so "schwach" war, meine Gefühle mich übermannt und kontrolliert haben. Eine Antwort habe ich nicht gefunden.
Oftmals glaube ich, dass es einfach immer noch sehr viele Momente gibt, die mich den Weg der Trauer nicht weitergehen lassen. Momente, die mir bestimmte Situationen immer dann vor Augen führen, in denen ich am wenigsten damit rechne. Wie so kleine Stolperfallen, die dafür sorgen, dass ich zu Boden gehe und mich wieder aufrappeln muss. Woran sollen mich diese Stolperfallen erinnern? Wozu sind sie gut? Und wie werden sie weniger? Ich tue doch wirklich was ich kann, um mein Leben soweit im Griff zu haben und es lebenswert zu gestalten - auch ohne
Dich. Ist vielleicht genau das der falsche Weg? Sollte ich diese glücklichen Moment, die es in diesem Jahr wirklich oft gab, gar nicht genießen können und dürfen? Sollte ich mich stattdessen lieber gänzlich zurückziehen? Quasi auf "Null" starten und alles intensiv und anders durchleben? Mich selbst bestrafen, indem ich unglücklich bin obwohl ich das gar nicht so empfinde? Geißel meiner eigenen Person und Gefühle werden?
Eigentlich glaube ich nicht, dass das der richtige Weg wäre. Vielmehr bin ich immer noch davon überzeugt, dass ich es genau richtig angegangen bin und immer noch gehe. Ich genieße mein Leben, mache tolle Erfahrungen, habe Spaß und lasse die Momente, in denen es mir nicht so gut geht auch ganz bewußt zu. Ich rede nach wie vor mit Frau Hotz-Wegner und anderen Betroffenen. Und doch lodert manchmal so ein kleines Fünkchen auf, dass mir zeigt, dass es nicht ganz korrekt zugeht. Ein Phänomen, das ich mir überhaupt nicht erklären kann und ich hoffe sehr darauf, dass mir Frau Hotz-Wegner bei meinem nächsten Besuch die Bedeutung erklären kann.
Du merkst, Mama hat mal wieder die "zerrissene Phase" erreicht. Wie lange sie anhalten und was sie für Überraschungen mit sich bringen wird weiß ich nicht, aber sie wird wohl immer wieder über mich "herfallen" und ich werde lernen müssen damit umzugehen und zu leben.
Es gibt auch Neuigkeiten von der Petition, endlich hat die Expertenrunde in Berlin stattgefunden und es sieht zur Zeit wirklich ganz danach aus, als das die Gesetzestextänderung noch vor der Sommerpause verabschiedet wird. Das wäre großartig und diesen Erfolg dürfen sich Mario und Barbara Martin auf die Fahne schreiben. Die beiden haben großartige Arbeit geleistet!
Mein geliebter Sohn,
Deine Mama wird diesen Brief nun beenden. Dazu nutze ich heute den Text aus der Sternenwichtel-Karte. Ich hoffe
Du feierst Weihnachten im Kreise all'
Deiner Sternenkinder-Freunde und hast dabei Spaß und ein Leuchten in den Augen, das ich auch so gern gesehen hätte!