Valentin - mein kleiner Prinz
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7. Brief an Valentin
7. Brief an Valentin

Mein geliebter Sohn,

heute war der Tag, an dem Mama sich auf den Weg gemacht erst Frau Hotz-Wegner und im Nachgang dazu Dr. Lübbers zu besuchen.

Wie immer wurde ich bei Frau Hotz-Wegner nett empfangen und wir sind in unser heutiges Gespräch so eingestiegen, dass ich ihr alles erzählt habe, was mit Beginn der Fetozid-Einleitung so gewesen ist.

Komischerweise konnte ich relativ ruhig und gefasst berichten, bis wir zu dem Punkt Deiner Segnung kamen. Das lässt in mir so viele Gefühle hochkommen, dass ich den Tränenfluß einfach nicht stoppen kann. Es liegt sicher daran, dass ich Dich da das erste Mal gesehen habe.

Als Frau Hotz-Wegner mich gefragt hat, inwieweit ich denn den Tag überstehe und wie ich diesen gestalte wusste ich nicht wirklich was ich sagen soll.

Wie überstehe ich denn die Tage? Und wie fülle ich sie, damit sie nicht gänzlich leer erscheinen?

Da ich ja eigentlich ein sehr strukturierter und organisierter Mensch bin, versuche ich das halt auch auf die einzelnen Tage anzuwenden. Ich nehme mir Dinge vor, Kleinigkeiten zumeist, die ich aber trotzdem geplant angehe. Das fängt beim Einkaufen an und hört beim Wäsche waschen auf.
Ich möchte eigentlich gerne versuchen etwas Struktur zu finden und ein Art von "Alltag" zu haben. Das bedeutet ja nicht, dass ich nicht doch dauernd an Dich denke.

So wie ich derzeit mit meiner Zeit "umgehe" sind die Tage erträglich und sie vergehen...einer nach dem anderen...irgendwie.

Ich habe Frau Hotz-Wegner erzählt, dass ich es einfach nicht schaffe in den Schlaf zu finden, bzw. keinesfalls wenn ich dafür mein Bett aufsuche. Wenn überhaupt schlafe ich nur auf dem Sofa, bei laufendem Fernseher und auch dann nur ein paar Stunden. Ich ertrage die Stille beim Einschlafen irgendwie nicht.
Sie hat angemerkt, dass ich mit dem Dunkel immer auf's Neue an Deine Geburt erinnert werde und mein Unterbewußtsein sich einfach sträubt, in der Dunkelheit in einem Bett zu liegen. Klingt gar nicht mal so ganz abwegig.
Des Weiteren meinte sie, dass ich in diesem Bett halt geschlafen habe, als Du noch in meinem Bauch warst und es jetzt nicht mehr "unser" sondern nur noch mein Bett ist. Auch das könnte durchaus zutreffen.
Jedenfalls war sie der Meinung, dass ich mich nicht zwingen sollte in mein Bett überzusiedeln, wenn ich schlafen möchte. Das käme irgendwann von ganz allein. Also bleib ich vorläufig auf dem Sofa.

Du siehst, es sind nicht nur Lieder, Bilder oder sonstwas, dass mich an Dich denken lässt. Auch das Bett gehört zum Erinnerungsfundus.

Während des Gesprächs habe ich gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin mir Deine Fotos anzusehen. Natürlich habe ich sie mitgenommen, weil ich wirklich dachte ich packe das. Dem war aber nicht so. Ich kann nicht mal so genau sagen, warum es nicht ging. Als ich an den Umschlag in meiner Tasche gedacht habe, überkam mich so ein sehr beklemmendes Gefühl, dass mir in dem Moment die Luft zum Atmen genommen hat. Ich werde mir also noch etwas Zeit geben, bis auch das irgendwann von alleine möglich ist...wie das Schlafen im Bett.

Auch über Deine Beisetzung haben wir geredet. Frau Hotz-Wegner kann meinen Entschluß, dass ich an dem Tag lediglich Deine Paten gerne um mich hätte, vollends nachvollziehen. Sie fand die Idee sogar ganz gut, da ich mir selbst so nicht das Gefühl aufzwinge, mich um andere Anwesende (egal ob Familie, Freunde oder Bekannte) kümmern zu müssen.
Eigentlich kann ich ja niemandem verbieten von Dir an diesem Tag Abschied zu nehmen, aber ich hoffe einfach darauf, dass alle denen ich meine Entscheidung mitteile verstehen, warum ich mir wünsche nur in Begleitung Deiner Paten an der Beisetzung teilzunehmen.

Nachdem wir dann einen neuen Termin vereinbart haben, bin ich losgezogen zu Dr. Lübbers.

Irgendwie habe ich mich aber in der Zeit vertan und war ca. 30 Minuten zu früh dran, sodass ich ein wenig warten musste. War aber nicht so schlimm, gab mir dieses Zeitfenster doch Gelegenheit, mich ein wenig zu sammeln.
Ist schon mehr als nur komisch beim Gynäkologen im Wartezimmer zu hocken inmitten von schwangeren Frauen und genau zu wissen, dass das Gefühl, das man den Frauen entgegenbringt nicht richtig ist.

Nun ja, ich bin dann rein zu Dr. Lübbers und er hat mich dann erstmal untersucht. Es ist alles okay und ich darf auch endlich wieder baden. Das nicht tun zu dürfen, war die absolute Höchststrafe für mich. Du musst wissen, dass ich ein absoluter Badefan bin und es ist mir schon schwergefallen, mich einfach immer nur zu duschen.

Nach der Untersuchung haben wir dann noch eine ganze Weile zusammengesessen und über Dich geredet. Natürlich flossen auch hier wieder Tränen. Dr. Lübbers war ebenfalls immer noch sehr ergriffen und hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er sich bis heute fragt, woher ich diese Stärke genommen habe, um alles mehr oder weniger gut zu überstehen. Angefangen bei der Entscheidungsfindung bis hin zur OP. Ich konnte es ihm nicht erklären, weil ich mich das ja oft genug selber frage. Vielleicht bist Du es, der mir diese Stärke mitgegeben hat. Weil ich immer von irgendwo her das Gefühl bekommen habe, jetzt so oder so handeln zu müssen, damit es Dir besser geht.

Ich habe ihn gefragt, ob er Dich sehen möchte, schließlich hatte ich die Fotos ja bei. Aber er meinte, dass er das derzeit nicht könnte, weil ihm unsere kurze Geschichte zu nahe geht. Irgendwann gerne, aber heute nicht. Das hat mich schon ein wenig überrascht. Dachte ich doch immer, dass Ärzte sowas "wegstecken". Immerhin haben sie ja einige Patienten und ihrer Laufbahn bestimmt auch schon das ein oder andere gesehen, was man sich nicht zu sehen wünscht.

Andererseits gab es mir auch irgendwie ein gutes Gefühl, bin ich doch nicht die einzige, die sich Deine Bilder noch nicht ansehen kann. Es war so ein Gefühl von "wenn ein Arzt das jetzt schon nicht kann, wie soll ich es dann zum jetzigen Zeitpunkt schaffen".

Dr. Lübbers hat mir dann auch nochmal erläutert, dass ich jegliche Unterstützung von ihm bekomme, wenn ich auch auf längere Sicht seine Hilfe rund um Deine Geburt und die damit verbundene Trauer benötige. Egal ob dadurch, dass er Verbindungen herstellt, Überweisungen ausstellt oder sonstwas.

Zu guter Letzt hat er mich dann feste in den Arm genommen und mir gewünscht, dass ich meine Trauerarbeit auf dem Weg fortsetzen kann und es mir dadurch irgendwann besser gehen wird.

Lieber Valentin, was soll ich Dir sagen...als ich die Praxis verlassen habe, liefen die Tränen noch immer und ich fühlte  mich so absolut leer, klein, verzweifelt und irgendwie allein.

Auch wenn mir das alles irgendwie bekannt vorkam, hat es doch immens geschmerzt. Sicher werde ich diese Gefühlswallungen auch so schnell nicht los und ehrlich gesagt versuche ich das mittlerweile auch gar nicht mehr. Wenn ich weinen will, dann wein' ich halt. Und wenn ich lachen will, dann lache ich usw. usw. Ich lerne mich halt neu, nein falsch, ich lerne mich anders kennen.

Mein lieber Schatz, ich schließe nun diesen Brief an Dich. Möchte Dir vorher aber gern noch sagen, dass ich nach wie vor ständig an Dich denke und mich manchmal, wenn es zu sehr weh tut in meine Phantasiewelt träume, in der alles gut ist und wir zusammen sind.

Wenn es diese Welt doch nur wirklich geben würde!

In tiefer Liebe,
Deine Mama
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  Update am 21.08.2015 in Briefe an Valentin / 73. Brief an Valentin  
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